Bei einem Besuch der Münchner Umweltorganisation Green City e.V. im Frühjahr 2017 lernten die Schülerinnen und Schüler des Maria-Theresia-Gymnasiums die Aktionsform Carrotmob kennen. Im Projektseminar „MTG wird Umweltschule“ setzten sie ihre Idee anschließend erfolgreich in die Tat um: Am 7. Juli wurde zum Carrotmob im benachbarten Café und Ladengeschäft „White Rabbit’s Room“ eingeladen.

Ein schwülwarmer Tag in Haidhausen, einem belebten Stadtteil Münchens. Zwei Schüler in Karottenkostümen stehen mit selbst designten Flyern vor einem hippen Café und motivieren Passanten charmant, doch spontan einen Kaffee oder eine erfrischende Holunder-Ingwer-Minz-Schorle zu trinken. Die Tische auf dem Gehweg und im Gastraum sind gut besetzt. Die Stimmung ist fröhlich und ausgelassen. Dazu gibt es guten Grund: 30% des Nachmittagsumsatzes lässt die Café-Besitzerin dem Klima zugute kommen.

Hier werden nicht nur leckere Ciabattas, Wraps und Karottenkuchen verzehrt, sondern nebenbei lässig noch die Welt gerettet.

Wie es dazu kam? Nach einem Kick-off-Workshop zur Aktionsform Carrotmob erarbeiteten die Jugendlichen mit dem Umweltbildungsteam von Green City e.V. einen Projektplan. In Kleinteams kümmerten sie sich um die anfallenden Aufgaben: Sie suchten nach einem geeigneten Laden in der Nähe der Schule, designten Flyer und Plakate und koordinierten das Carrotmob-Projekt. Für technische Fragen suchten sie sich die Unterstützung einer Energieberaterin.

In zwei Unterrichtsstunden pro Woche setzten die Schülerinnen und Schüler das Projekt eigenverantwortlich um.

Nach dem Projektstart im März ist dann aber doch mehr Zeit als gedacht ins Land gegangen. Igor, einer der Schüler, erzählt uns, dass Selbstorganisation und Projektmanagement keine Selbstläufer gewesen seien: Einzelne Kleinteams mussten mit der nächsten fälligen Aufgabe auf die Ergebnisse anderer Teams warten; die Suche nach einem geeigneten Laden sei die größte Hürde gewesen; auch Klausuren hätten Energie gezogen. Das habe „die anfangs sehr motivierte Stimmung“ etwas gedrückt, meint Michael Graml, der betreuende Lehrer. Das Projekt stockte.

Die Schülerinnen und Schüler trafen sich Ende Juni zu einer Aussprache, bei der die Unzufriedenheit mit dem bisherigen Projektverlauf deutlich wurde. Dennoch: alle wollten am Projekt Carrotmob festhalten. Nachdem die Schülerinnen und Schüler die Probleme angesprochen hatten und alle dabei bleiben wollten, kam wieder Schwung in die Sache. Unter der Leitung mehrerer Schülerinnen und Schüler wurden Aufgaben verteilt und Deadlines festgelegt.

„Auf einmal ging alles sehr schnell und die Schülerinnen und Schüler haben am Ende einen tollen Carrotmob durchgeführt“, analysiert der Lehrer Micheal Graml.

Auch Igor stellt rückblickend fest, dass die kurze verfügbare Zeit von zwei Wochen bis zum Aktionstag und die vorangegangene erfolgreiche Konfliktlösung eine positive Dynamik entfacht haben. Dies ermöglichte sehr produktives und konzentriertes Arbeiten sowie schnell sichtbare Ergebnisse.

„Heute bin ich echt sehr stolz auf mein Team und auch auf mich“,

sagt Igor.

Die Aktionsform Carrotmob gefiele ihm besonders, weil das erwirtschaftete Geld im Laden in konkrete Klimaschutzmaßnahmen fließt.

Und wegen der Karottenkostüme.

Nach dem Carrotmob haben Igor, Herr Graml und die Energieberaterin das „White Rabbit’s Room“ professionell auditiert. Momentan werden Energieeinsparpotentiale berechnet und Vorschläge für energetische Verbesserungen erarbeitet, die der Besitzerin des Cafés im Herbst vorgelegt werden. Sie hat signalisiert, zusätzlich zu den 30% des Umsatzes des Carrotmobs in weitere Maßnahmen zu investieren, um noch energieeffizienter und damit auch klimafreundlicher wirtschaften zu können.